Tourismus: Internet verändert Reise- und Buchungsverhalten

Deutsche reisen gern und viel. Mehr als 1,71 Milliarden Tage verbrachten sie 2018 auf Ausflügen und längeren Reisen (BTW-Tourismusindex). Das Internet begleitet sie dabei von der ersten Inspiration bis zur abschließenden Bewertung und ist als Inspirationsgeber, Informationsbeschaffer vor und während der Reise sowie Preisvergleicher oder Ort des Kaufabschlusses während der gesamten Costumer Journey präsent. Damit ändert sich das Reise- und Buchungsverhalten zunehmend, wie die agentureigenen Forschungsprojekte „Retail Buying Study“ oder Wave belegen.

Deutsche wollen im Urlaub „die Welt um sich entdecken“. Das ist das wichtigste Bedürfnis, das deutsche Reisende bei der Planung ihres Urlaubs befriedigen wollen, zeigt die Auswertung der UM eigenen Studie WAVE9. Knapp die Hälfte der Befragten (44 Prozent) gaben dieses Anliegen als wichtigste Motivation bei der Reiseplanung an. Im internationalen Vergleich (25 Prozent aller Befragten) stechen deutsche Reisende mit dieser Neugierde deutlich heraus. Am stärksten ausgeprägt ist dieses Bedürfnis mit 52 Prozent in der jungen Zielgruppen der 16 bis 29-Jährigen. Die Studie zeigt auch, dass deutsche Konsumenten die Planung einer Urlaubsreise mit positiven Gefühlen assoziieren. 27 Prozent der Studienteilnehmer sind inspiriert, 34 Prozent empfinden Optimismus, während für über die Hälfte der Befragten die Vorfreude auf „die schönste Zeit des Jahres“ im Vordergrund steht – und zwar für Jung und Alt gleichermaßen.

 

Tourismusmarketing muss über das ganze Jahr angelegt sein

 

Wie die Daten der ebenfalls agentureigenen Retail Buying Study zeigen, ist das Internet dabei der Kanal, der die komplette Customer Journey begleitet, von der Inspiration, über die Buchung, an den Urlaubsort und über die sozialen Medien in die Wohnzimmer von Freunden und Familien bis zur abschließenden Bewertung zurück im heimischen Wohnzimmer. Vor allem Suchmaschinen allgemein (39 Prozent) und Vergleichsportale (19 Prozent) spielen hier eine enorme Rolle.

 

Für 55 Prozent der deutschen Reisenden beginnt die beginnt die Inspirations- und Planungsphase mindestens zwei Monate bevor sie die Reise buchen, für 27 Prozent sogar mindestens vier Monate bevor sie Koffer oder Tasche packen. Verglichen zu vielen anderen Produkten und Dienstleistungen beginnt die Customer Journey für Reisen folglich wesentlich früher und hört durch das Mitteilungsbedürfnis vieler Reisenden auch nach den erlebten Momenten noch lange nicht auf.

„Reisen hat das ganze Jahr Saison. Verstehen Marken diesen zielgruppenabhängigen Buchungs- und Reiseprozess, haben sie die Möglichkeit im genau richtigen Moment präsent zu sein und ihn für sich als Marke richtig zu besetzen.“

Anna Zmuda, Head of Research UM

Die von UM durchgeführte Customer Journey Forschung gibt wesentliche Insights, wie sich dieser Prozess konkret ausgestaltet. Zur Analyse wurden die Ergebnisse der oben benannten Studien integriert.60 Prozent der Befragten geben an, dass Empfehlungen von Freunden und Familien eine wesentliche Rolle spielen. Vor allem durch diese Urlaubsberichte von Freunden oder Familienmitgliedern bekommt ein Großteil aller deutschen Reisenden den Impuls, sich konkret über ein Reiseland zu informieren.

 

• Die Informationssuche setzt an, sobald die Destination gewählt wurde. Dabei helfen Reisemagazine, klassische Reiseführer und natürlich das Internet (67 Prozent). Im Durchschnitt werden 1,8 verschiedene Informationsquellen genutzt. Das Internet als Informationsquelle wird bevorzugt, da es eine größere Auswahl als die Offline Suche bietet (41 Prozent), Zeit erspart (57 Prozent) und der Preisvergleich einfacher ist (66 Prozent).
• Allerdings sehen die deutschen Reisenden durchaus auch die Vorteile beim Besuch eines Reisebüros. Hier sind die bessere Beratung (67 Prozent) und der bessere Überblick durch den Reisedschungel (58 Prozent) zu nennen. So buchen 24 Prozent der Reisenden, die sich zunächst Online informiert hatten, ihre Reise über ein Reisebüro.
• Bei natur- und kulturinteressierten Reisenden spielen darüber hinaus Dokumentarfilme (64 Prozent) oder Berichte in Reisemagazinen (48 Prozent) eine große Rolle.

„Erfolg haben Marken und Destinationen, die die Bedürfnisse der unterschiedlichen Zielgruppen entlang der gesamten Costumer Journey analysieren, verstehen und für die Planung der eignenen Marketingaktivitäten nutzen.“

Sven Weisbrich, CEO UM

Allein die Frage, wie Konsumenten auf ein bestimmtes Urlaubsland aufmerksam werden, brigt vielfältige Antworten. Wer lauscht den Erfahrungsberichten aus dem eigenen Umfeld, wer schaut sich die unzähligen perfekt retuschierten und in Szene gesetzten Bilder auf Instagram oder wer schlendert aufmerksam, während er auf den verspäteten Zug wartet, im Bahnhofskiosk an den zahlreichen Hochglanz Reisemagazinen vorbei.

 

Auf die Inspiration folgen zahlreiche Wochen der Suche und Recherche, bis der willige Urlauber sich auf perfekte Land geeinigt und für Transportmittel, Unterkunft, Reiseart und die jeweiligen konkreten Anbieter dieser Möglichkeiten entschieden hat. Ist der ersehnte Tag schlussendlich gekommen und die geplante Reise findet statt, entscheiden wiederrum unzählige kleine und größere Momente über Erfolg beziehungsweise Misserfolg der jeweiligen Reiseabschnitte und darüber, wie zufrieden hemigekehrte Urlauber über die eigene Reise gegenüber Freunden und Familie berichten oder wie sie in einer Instagram Story ihre Follower über die jeweiligen Reisesituationen vom Check-In bei der ausgewählten Airline über die Animation in der Hotelanlage, bis hin zu den Erlebnissen mit Einheimischen berichten.

 

Fernweh und Reiselust sind also in umfassendem Maße vorhanden und ein beliebtes Thema über das man sich ebenso persönlich sowie in Sozialen Netzwerken austauschen möchte. Das belegt auch die große Zahl an Beiträgen auf Instagram – #wanderlust mit 87.779.275 Beiträgen und #traveltheworld mit 17.513.209 Beiträgen.

 

 

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